Anna Schmitz an ihren Sohn Rudolf, 21. November 1942

Köln-Dellbrück, 21.11.42

Mein lieber, lieber Junge!

Soeben erhalte ich Deinen lieben Brief vom 17.11. Vielen Dank dafür. Also man hat Dein Gesuch abgelehnt? Es tut mir sehr leid um Dich, ich fühle mit Dir die Enttäuschung. Was gab man für einen Grund an? Vielleicht wäre es besser gewesen, Du wärest voriges Jahr noch eine Zeit in Nippes geblieben, + hättest Dich nicht zu Deiner Truppe zurückgemeldet! Aber, vorbei ist vorbei. Und dann wollen wir denken, alle unsere Wege sind von Gott bestimmt. Wenn es auch schwer fällt, seinem Willen wollen wir uns beugen. Wir wollen unsere Pflicht da tun, wo er uns hinstellt! Wir dürfen nicht nach rechts + links sehen, damit Mißmut und Neid nicht hochkommen. Wenn wir nur gesund + beisammen

bleiben, dann schaffen wir es. Ich fühlte, daß etwas Besonderes war, ich mußte mehr als gewöhnlich an Dich denken. Ich glaube auch, weil Du schon Offizier bist, nehmen sie Dich nicht an, denn die gebrauchen sie noch. Ob Ihr nicht nach Afrika kommt? Ich glaube es fast! Schade, daß wir dort alles preisgeben müssen. Also Weihnachten wirst Du nicht hier sein? Ich hoffte es schon. Wie ist es denn mit Deinem Sonntagsurlaub? Fällt der auch ins Wasser? Ja, das Leben, bes. in dieser Zeit ist hart. Mein gutes Kind, ich wünsche Dir aus ganzem Herzen das Allerbeste, ich bete für Dich. Könnte ich Dir doch helfen! Kopf hoch, und vorwärts! Ich sende Dir viele liebe Grüße + einen festen Kuß
Deine
mit Dir fühlende Mutter.