Charlotte Endemann an ihren Mann Harald, 23. Juli 1944

den 23.7.44

Liebster Mann!

Wir laufen immer noch wie die Katze um den heißen Brei um die Lessingstrasse. Es ist aber langsam lästig, und man bekommt einen Vorgeschmack von Fliegergeschädigten. Um alles muss man bitten; die Bombe will nicht platzen, und übermorgen sind es acht Tage. Es fehlen noch drei in unserer Kante. Deichmanns Haus ist ja nun unbewohnbar geworden, denn die Bombe hat die Grundfesten zerrissen. Bei Schwingers bin ich reizend untergebracht, bloß die Kleinen haben Heimweh, wenn ich erscheine. Ich sehe die Kinder ja nur stellenweise oder gar nicht.

Ich schicke demnächst 50.- Mk. Besonders kann ich brauchen: einen warmen Pullover, Größe 42-44, evtl. 46 wenn er klein ausfällt, Stümpfe 9, Haarspangen, Klammern,

Kämmchen für die Kinder und die hohe Frisur, Gummiband. So Du Schönes erwischst wie Nachthemd, Parfüm, freue ich mich. Das Parfüm aus Stade ist leider nicht zu gebrauchen. Es riecht impertinent. Aber lieb war's doch.

1000 liebe Küsse
Deine Lotti